Das Video – Content-Marketing für Unternehmen (2)

Seit ein paar Jahren un-stopp-bar auf dem Vormarsch. Das bewegte Bild. Ich erspare Ihnen hier die üblichen Zahlen zur Entwicklung der weltweiten Youtube-Zugriffe und Uploads pro Stunde. Das können Sie im Internet recherchieren. Sie werden schockiert und beeindruckt sein, wenn Sie es nicht schon gewusst haben.

Und jetzt kommen die ganzen Besserwisser wieder, die Ihnen schon Homepage, Onlineshop und Facebook verkauft haben und wollen, dass Sie Videos machen. Und schon geht der Zirkus in die nächste Runde.

Verstehen Sie mich richtig: schon von Berufs wegen weiß ich, dass das Video eines der effizientesten Kommunikationsmedien ist, dass wir heute haben. Nur, man muss es eben auch richtig einsetzen und wissen, was ein Video kann und was es nicht kann. (Und es gibt einiges, was es nicht kann.)

Und – zum Geier! – auch ein Video muss ja VERBREITET werden, damit es überhaupt jemand sieht. Und jetzt?

Wenn man sich nun etwas Zeit zum Nachdenken und abwägen nimmt, statt hektisch Angebote von Videofirmen zu vergleichen, stellt man ganz sicher fest, dass der finanzielle Aspekt zunächst nachrangig wichtig ist.

Es könnte passieren, dass man dann so vorgeht, wie früher in der klassischen Werbung auch. Man stellt sich fragen. Viele, viele W-Fragen.

WAS wollen SIE mit Videos überhaupt erreichen? WIE funktioniert Kommunikation mit Videos überhaupt? WEN will man ansprechen? WELCHE Kanäle braucht man dafür? WARUM sind manche Videos erfolgreich und andere nicht. WANN gilt ein Video überhaupt als erfolgreich?  Kann man den Erfolg eines Videos auswerten? WELCHEN WERT hat ein Video für uns? Welcher PREIS wird also schließlich gerechtfertigt sein?

Und wenn man ganz selbstkritisch ist, fragt man sich auch: können wir so ein Projekt – ganz gleich wie groß oder klein –  steuern? Haben wir jemanden, der die Abläufe, Besonderheiten und Arbeitsschritte einer Videoproduktion kennt und versteht. Jemanden, der mit einem Dienstleister einigermaßen auf Augenhöhe arbeiten kann?

Sie ahnen schon, dass dieses Buch nicht auf die Empfehlung hinauslaufen wird, mich anzurufen. Ich würde Ihnen vermutlich nicht viel mehr sagen, als das, was ich in den nächsten Kapiteln ohnehin aufschreibe. Ich werde ein paar Gedanken äußern, die meine Branchen-Kollegen vermutlich ungern hören. Doch ich bin mir ziemlich sicher: Videos werden sich – für kleine und große Unternehmen – künftig zum Werbemittel des täglichen Bedarfs entwickeln. Das wiederum lässt sich aber mit dem derzeitigen (Selbst-)Verständnis vieler Filmemacher- und Produzentenkollegen nicht vereinbaren. Auch entspricht es nicht gelerntem Marketing-Latain. Für viele Marketingprofis gelten in Bezug auf Videoprojekte noch immer die Attribute „teuer“, „aufwendig“ und, weil man an TV- und Kinowerbung denkt, Begriffe wie „Königsdisziplin“. Die Wahrheit ist, dass häufig schlicht ein fundiertes Wissen darüber fehlt, wie eine Videoproduktion eigentlich funktioniert und – was noch viel wichtiger ist – wie man Videos überhaupt gezielt und wirkungsvoll einsetzt.

So kommt es zu allseits bekannten Halbwahrheiten, wie zum Beispiel der Annahme dass ein Video im Internet unbedingt sehr kurz sein muss. Eine Minute. Vielleicht zwei. Keinesfalls drei oder gar fünf! Dass diese Aussage nicht pauschal gilt, werde ich später noch an einem Beispiel „beweisen“.

 

Alles in allem richtet sich dieses Buch auch an viele meiner Kollegen. Zum einen an die „alten Hasen“, die den guten Zeiten nachtrauern, in denen man noch mit großen Budgets und einem gewissen Monopol auf hohe technische Qualität (echter Film!) Werbespots und Imagefilme drehen durfte. Zum anderen an die vielen, vielen DSLR-Filmer, die sich heute – mit einem besseren Fotoapperat bewaffnet –  als Kameraleute und Videoproduzenten  auf den Markt werfen.

Wir, liebe Kollegen, sollten ganz offen darüber diskutieren, welche Rolle wir in einer Welt spielen, in der ein Handy-Video auf Youtube mehr Zugriffe erhält, als ein TV-Werbespot mit sechsstelligem Budget.

Aber dazu später.

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